»Eigenleben«

Oft werde ich mit der Ansicht konfrontiert, eines meiner Werke mit mir selbst als Person gleichzusetzen. Auch wenn ich diesem Gedanken, geformt durch den Blick von außen, durchaus nachvollziehen kann, so fällt es mir schwer, ihm durch meinen inneren Blick voll inhaltlich zuzustimmen.

Die Entstehung eines Bildes ist immer intuitiv, vom Augenblick getrieben und somit nicht reproduzierbar. Jedes fertige Werk konnte nur durch seine Summe an einzigartigen Momenten mit all den darin enthaltenen Emotions- und Geistesblitzen entstehen.

So steckt in jedem fertigen Bild also mehr als nur mein eigenes Ich. Man könnte poetisch formuliert davon sprechen, dass man als Betrachter die "Magie des Augenblickes" darin findet.

Und natürlich jede Menge an Emotionen. Meine eigenen Emotionen beim Aufnehmen der Bilder, vermischt mit den externen Gefühlen des jeweiligen Models. Wenn das fotografierte Bild später bearbeitet und zu seiner finalen Form findet, so mischt sich dann zusätzlich die Stimmung des jeweiligen Tages darunter. 

In Summe fühlt es sich für mich als Urheber an, als würde sich am Ende dann auch zeigen was sich zeigen will – oder möglicherweise sogar zeigen muss. Denn im Augenblick seiner Fertigstellung tritt das Bild als eigenständiges Werk in den Vordergrund. Ich als dessen Schöpfer trete demütig und glücklich zurück. Und lasse dem Bild seinen eigenen Raum, den es auch benötigt und verdient hat, um zu wachsen und künftig für sich selbst zu sprechen.

I am often confronted with the view that I equate one of my works with myself as a person. Even if I can certainly understand this idea, formed by the view from the outside, I find it difficult to fully agree with it in terms of content through my inner view.

The creation of a painting is always intuitive, driven by the moment and therefore not reproducible. Each finished work could only come into being through the sum of its unique moments with all the flashes of emotion and inspiration they contain.

So there is more than just my own self in every finished picture. In poetic terms, you could say that the viewer finds the "magic of the moment" in it.

And of course a lot of emotions. My own emotions when taking the pictures, mixed with the external feelings of the respective model. When the photographed image is later edited and takes its final form, the mood of the day is also mixed in. 

All in all, for me as the creator, it feels as if what wants to show itself - or possibly even has to show itself - is revealed in the end. Because at the moment of its completion, the picture comes to the fore as an independent work. As its creator, I humbly and happily step back. And leave the picture its own space, which it needs and deserves in order to grow and speak for itself in the future.

Model
Created 11/2023
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Category Blog