»Schabernack«

Gefühlt steht an allen Ausstellungsorten ein unsichtbares Schild mit der Aufschrift „Vorsicht Kunst! Bitte nicht lachen!“ Jedenfalls schleichen die meisten Besucher mit bierernstem Blick durch die zumeist weiß getunchten Räume und man fühlt sich selbst als ungewollter Teilnehmer einer Trauerveranstaltung.
Dabei sollte die gezeigte Kunst doch nicht beerdigt, sondern zelebriert werden! Und wie es sich für eine richtige Feier gehört, so sind spontan ausgedrückte Emotionen nicht nur völlig richtig am Platz, sondern elementarer Bestandteil davon. Daher meine Aufforderung an jeden Kunstinteressierten: Bitte unbedingt auch im Museum lachen, gerne auch über den Künstler (oder besser noch: mit dem Künstler). Denn Kunst darf alles. Auch einem eben nicht gefallen. Und das wiederum darf man auch artikulieren, ohne dadurch gleich als Kunstbanause dazustehen (jene, die einen dann als solchen schelten wollen, haben selbst zumeist keinen blassen Schimmer vom Sinn der gezeigten Kunst, überspielen diese Ahnungslosigkeit aber mit blasierter Wichtigtuerrei).
Natürlich ist das jetzt etwas pointiert formuliert. Generell gesprochen scheint es mir jedoch, als hätten wir als Gesellschaft einen sozusagen „gesunden“ Umgang mit Kunst verlernt (bzw. wohl eher nie richtig gelernt). Kunst gilt allgemeinhin als elitär und sakrosankt, unabhängig von ihrer Qualität und dem eigenen Geschmack. Jede Kritik daran wird als vermeindliche Ahnungslosigkeit gebrandmarkt. Und wer wagt es schon, seinen individuellen, meist laienhaften Zugang mit jenem eines professionellen Kuratoren vergleichen zu wollen. Ketzerei!
Ich hingegen sage dazu: Narren und Kinder sprechen die Wahrheit. Und zwar ganz ohne die meist total hochgedrehte Kunstsprache (hier im Sinne von „künstlich“ zu verstehen), die an ihrer eigenen Wichtigkeit zu ersticken drohte, wenn sie sich nicht zuvor mangels Substanz meist von selbst in Luft auflösen würde. Kaum zu glauben, was sich da Kunstschaffende angeblich alles so gedacht haben beim Arrangieren zweier Farbkleckse auf weißer Leinwand! Schier übermenschlich der gesellschaftliche Bezug des Werkes! Genie-(Dauer)Alarm also? Nun ja, um es in meinem Fall mit Helge Schneider zu sagen: „I break together!“
Offenbar hat eine ganze Heerschar von im Kunstbereich Tätigen panische Angst davor, wenn ein Künstler einen Farbklecks auf eine Leinwand pfeffert, ganz ohne Hintergedanken. Einfach nur so, aus einer spontanen Emotion heraus, volle Kanne in den roten Farbeimer gegriffen und ZACK! „Lasst uns malen wie die Kinder“, hat einst Picasso sinngemäß gesagt und er hatte verdammt Recht damit. Wer es lieber bedeutungsschwanger hat, der kann sich ja immer noch gerne ein Lexikon an die Wand nageln, eine Seite herausreißen und als wohlfeilen Begleittext dazuhängen.

It feels like there is an invisible sign at every exhibition venue that reads "Caution: Art! Please don't laugh!" In any case, most visitors sneak through the mostly white-tinted rooms with a beery expression and you feel like an unwanted participant in a mourning event.
Yet the art on display should not be buried, but celebrated! And as befits a proper celebration, spontaneously expressed emotions are not only entirely appropriate, but an elementary part of it. So my request to everyone interested in art: please make sure you laugh in the museum, even at the artist (or even better:
with the artist). Because art can do anything. Even if you don't like it. And you are allowed to articulate this without immediately being seen as an art philistine (those who want to call you one usually don't have a clue about the meaning of the art on display, but cover up this cluelessness with smug pomposity).
Of course, that's a somewhat pointed way of putting it. Generally speaking, however, it seems to me that we as a society have forgotten (or rather never
really learnt) a "healthy" approach to art. Art is generally regarded as elitist and sacrosanct, regardless of its quality and personal taste. Any criticism of it is branded as supposed cluelessness. And who dares to compare their individual, mostly amateurish approach with that of a professional curator? Heresy!
I, on the other hand, say: Fools and children speak the truth. And without the usually totally hyped-up artistic language (to be understood here in the sense of "artificial"), which would threaten to suffocate from its own importance if it didn't disappear into thin air for lack of substance. It's hard to believe what artists supposedly had in mind when arranging two splashes of colour on a white canvas! The social relevance of the work is almost superhuman! Genius (permanent) alarm then? Well, to put it in my case with Helge Schneider: "I break together!"
Apparently, a whole host of people working in the art world are terrified when an artist throws a splash of colour onto a canvas without any ulterior motive. Just like that, out of a spontaneous emotion, they reach into the red paint bucket and BANG! "Let's paint like children," Picasso once said, and he was damn right. If you prefer a more meaningful approach, you can always nail an encyclopaedia to the wall, tear out a page and hang it up as a polite accompanying text.

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Created 12/2023
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